Meinung: Olympus verkauft das Kamerageschäft

Kaum findet man als anderweitig berufstätiger Blogger mal etwas Zeit, um einen lange geplanten Artikel kurz vor der Fertigstellung zu haben, verkündet Olympus, dass sie planen Ihre Imaging Abteilung an einen japanischen Investor zu verkaufen. Ok, das war es dann mal wieder mit meiner Zeitplanung und ich muss mir meine Gedanken machen, was ich von der ganzen Sache halte.

Selbstverständlich habe ich in einigen Foren mitgelesen, mir die Reaktionen von einigen Influencern angehört und ich musste auch an Tony Northrup und seine Meinung zu den Kameraherstellern denken. Persönlich war ich sicherlich überrascht, aber irgendwie nicht so sehr wie ich selber gedacht hätte. Dafür war ich sauer auf Olympus, denn die Kommunikationspolitik erweckte vorher doch den Eindruck, dass genau das nicht passieren würde. Obwohl, wer nicht durch die „Fan“ Brille geschaut hat oder sich von seinen Sympathien für die Marke beeinflussen ließ, konnte erahnen, was da auf die User zukommen würde. Naja, mal schauen was da in Zukunft noch passiert.

Aber halten wir doch jetzt einmal ganz nüchtern fest: Es ist nur Olympus! Und Olympus ist nicht mFT, denn es gibt noch Panasonic. Ich weiß nicht was mit Olympus passieren wird, ob die Imaging Sparte filetiert wird oder als Ganzes an einen Dritten weiterverkauft wird. Mal schauen, im besten Fall setzen die neuen Eigentümer auf die Kernkompetenzen und ergänzen das ganze um innovative Software.

Auf wen es für das mFT System meiner Meinung nach jetzt wirklich ankommt ist Panasonic. Sollte sich hier ebenfalls ein Abschied abzeichnen ist mFT wahrscheinlich ein totes System. Objektivhersteller mag es einige geben, richtig gute Kameras für den Bereich Foto & Video hat neben Olympus nur Panasonic gemacht. Wenn Panasonic das System nicht am Leben erhält, wird dem neuen Eigentümer von Olympus (oder wie auch immer die Kameras dann heissen werden), nicht genug Zeit bleiben erneut Vertrauen bei den Kunden für die Marke aufzubauen. Es bleibt also zu hoffen, dass Panasonic hier mehr Rückgrat zeigt als Olympus.

Was ist also zu tun? Kurz gesagt gar nichts. Das sinnvollste ist einfach abzuwarten und zu sehen, was sich bei Olympus entwickelt und wie Panasonic reagiert. Ein Systemwechsel wird in der nächsten Zeit mit einigen Abschlägen auf dem Gebrauchtmarkt „honoriert“ werden und die Frage aller Fragen ist dann immer noch nicht beantwortet: Welchen Hersteller nehme ich denn dann anstelle des mFT-Sytems? Sony hat die Kamerasparte auch ausgegliedert, Nikon macht Verluste, die L-Alliance hat zwar drei Hersteller, aber die Bodys von Panasonic sind echt fett und Leica ist sauteuer. Bleibt Fuji, aber da sind die APS-C Objektive auch ziemliche Brummer. Dann gibt es da noch Canon, aber die Bodys haben keinen IBIS und die kommende R5 mit IBIS soll 4.500€ kosten. Pentax! Ich liebe Pentax, aber die haben leider nur DSLRs im Programm! Ganz ehrlich, im Moment ist für mich die Lumix G9 samt mFT-System alternativlos!

Also, trinken wir ein Bier, lehnen uns zurück und schauen, was in der nächsten Zeit passieren wird. Olympus wird sicher auf Dauer nicht der einzige Hersteller sein, der Veränderungen angehen muss. Übrigens, wer hoffen sollte, dass sich der Deal zerschlägt sollte sich bewusst machen, welche Alternative dann durchaus gewählt werden kann, nämlich die komplette Schließung der Imaging Sparte. Und das wäre wirklich ein Super-Gau für mFT.

8 Gedanken zu „Meinung: Olympus verkauft das Kamerageschäft“

  1. Na, SO hatte ich mir das NICHT vorgestellt , als ich mich vor ein paar Monaten für Olympus entschieden habe. Da hieß es noch, Olympus hätte eindeutig NICHT die Absicht aufzugeben. Ein klares Täuschungsmanöver. Ich bin jedenfalls sauer!

    1. Hallo Paul, Du hast recht, SO habe ich auch nicht damit gerechnet. Aber sieh es positiv, wenn dieser Deal nicht zustande gekommen wäre, würden die vielleicht die Imaging Abteilung schließen. Auf der anderen Seite hast Du noch Panasonic. Und mal abgesehen von allem, wohin willst Du wechseln? Wir haben nicht nur einen sinkenden Markt, man muss schon von einem kollabierenden Markt sprechen im Segment der Systemkameras. Und Hand aufs Herz, wer fotografiert denn damit, vorwiegend das ältere Semester, die Jugend nimmt das Smartphone oder filmt direkt mit Kameras wie der neuen Lumix G100 für YouTube. Also, einfach mal abwarten, was da kommt und wer am Ende überbleibt. Ein Wechsel, egal zu wem, wäre mir jetzt zu riskant, denn ich befürchte Olympus ist nur die Spitze des Eisbergs.

  2. Wenn die Aussagen stimmen, hat die hochprofitable Medizinsparte von Olympus doch schon seit Jahren den Imaging Bereich mitgeschleppt und subventioniert. Scheinbar ist jetzt, wohl auch bedingt durch Corona, ein Einbruch eingetreten, wo Olympus selbst nicht mehr an eine nachhaltige Erholung glaubt. Ganz ehrlich? Was soll diese „JIP“ großartig anders machen, als Olympus vorher? Die haben doch erst vor kurzem die Fabriken verlagert und ich glaube kaum, dass es in der Sparte einen riesigen Overhead gibt, den man (weg) optimieren kann. Wenn Olympus noch an die Sparte glauben würde, dann hätten Sie den Bereich auch behalten. Immerhin steht eine lange Tradition auf dem Spiel. Aber im Moment bleibt nur abzuwarten. Wie der Deal letztendlich aussieht, werden wir frühestens im September erfahren. Panasonic müsste jetzt ein klares Statement zu MFT abgeben, damit zumindest eine Beatmungsmaschine weiterläuft. Ansonsten wird der Patient nicht mehr aus dem Koma erwachen.

    Ich habe mir erst vor wenigen die Tagen die EM5 III mit dem 45er zugelegt und tatsächlich kurz darüber nachgedacht, den Deal zu stornieren. Aber was wäre die Alternative? Panasonic Bodies gefallen mir nicht, also bliebe nur noch ein kompletter Systemwechsel. Der könnte mich bei meinen Bedürfnissen nur nach Fuji oder Leica treiben. Leica scheidet wegen der astronomischen Preise aus. Fuji? Die Bodies sehen toll aus, aber auch hier sind die Gläser die ich dann bräuchte echt kein Schnäppchen und alles andere als klein und handlich. Bleibt nur Ruhe bewahren und (erstmal) mit Olympus weitermachen. Vielleicht gibt es ja doch noch einen Hoffnungsschimmer. Hauptsache man lässt sich von dem Foren- und YouTube-Bashing nicht verunsichern. Da sind ja derzeit fast nur Untergangspropheten unterwegs, die es natürlich schon gewusst oder zumindest geahnt hatten. Sowas brauche ich dann auch nicht.

    1. Hallo Dirk, ich stimme Dir in fast allem zu, nur in einem Punkt möchte ich Dir ans Herz legen, mal was auszuprobieren. Der Lumix G9 Body ist wirklich ziemlich gut gemacht! Wenn Du die Gelegenheit hast, schnapp Dir den mal zum „begrabbeln“. Ich habe damals lange zwischen der EM-1 Mk.II und der G9 abgewogen, die Oly mag schicker aussehen, die Panasonic ist einfach eine enorm „runde“ Kamera geworden.

      Aber zum Thema, einen Wechsel halte ich im Moment für risikoreich, denn Olympus ist bei weitem nicht die einzige Firma, die Probleme hat. Allen steht im stark schrumpfenden Markt das Wasser bis zum Hals. Bezüglich Fuji und Leica teile ich Deine Bedenken, cooles System, speziell Fuji, aber auch recht teuer. Leica bleibt unbezahlbar für mich. Olympus und Panasonic haben ein echt gutes System auf die Beine gestellt, wo gibt es so geniale kompakte Optiken wie das 100-400 von Panasonic oder das 1,8/8mm Fish Eye von Olympus. Wenn ich mit meiner G9 samt 100-400 und Oly 2,8/12-40 unterwegs bin liege ich bei unter 2 Kilo und habe Brennweiten von 24-800mm KB dabei. Mal sehen wie es weitergeht, so lange Panasonic noch im mFT System engagiert ist, sehe ich keinen Zeitdruck zu handeln. Naja, ausser da bietet jemand ein 12-100 oder 12-200 zum Schnäppchenpreis an, dann kaufe ich ;-).

  3. Olympus war in den letzten Jahrzehnten bei der Kameratechnik ein Vorreiter. Jetzt sind sie es eben auch im kaufmännischem Bereich. Aber im Ernst: auch Leica hastet dem Kreis mehrmals die Gesellschaftsform und damit den Besitzer gewechselt (schaut mal in Wikipedia nach). Aber es ist immer noch Leica. Und ich würde mich totlachen, wenn Leica als einer der letzten Kamerahersteller weltweit übrig bleiben würde.
    Im Moment wissen wir nur, dass Olympus die Sparte abgibt. Kein Grund sich zu ärgern in Olympus investiert zu haben. Ich bin ja nicht von Olympus überzeugt, weil es Olympus gibt, sondern weil es die Kameras und Objektive gibt. Meiner PEN-F hat die Meldung nichts ausgemacht; sie hat heute immer noch einwandfrei funktioniert und saubere Qualität geliefert.
    Was kann passieren?
    Der Käufer will den Namen Olympus, um damit zukünftig Objektivdeckel für €1,50 zu produzieren.
    Oder er räumt den Fuhrpark auf, schmeißt alle teuren Nichtmassenartikel (EM-1X) raus und versucht den Amateursektor (Einsteiger + Semiprofis) weiter zu bedienen.
    Hier wäre es gut mehr über den Kaufpreis zu wissen. Ist es ein „Taschengeld“, können wir die Marke Olympus als ernsthaften Hersteller vergessen. Ist es richtig gutes Geld, geht es mit anderen Strukturen und anderem Vertrieb weiter.
    Wichtig ist in der Tat auch wie Panasonic reagiert.

    Oder noch ein Gedanke: der neue Besitzer macht aus Olympus eine Edelmarke à la Leica. Stellt euch vor, es gäbe dann eine Vollformat PEN-F mit M-Bajonett ….

    @ Bilderpaul und Dirk
    Ärgere dich nicht. So ist die Wirtschaft nunmal. Da gibt es Zielvorgaben. Werden diese im Zeitraum X verfehlt, gibt es die Chance die Vorgaben im Zeitraum X2 zu erfüllen. Klappt das wieder nicht, werden die Schotten geschlossen. Habe ich in meinem Beruf persönlich alles erlebt. Im schlimmsten Fall wirst du gefeuert (oder die Kamerasparte verkauft, obwohl dies drei Monate vorher ausgeschlossen wurde).

    Ich habe mir bewusst (!) vor zwei Wochen noch eine PEN-F gekauft. Wahrscheinlich werden die die nächsten Jahre funktionieren. Einziges Problem dürfte der Akku sein. Da werde ich in der nächsten Zeit noch zwei/drei nachkaufen.

    Viele Grüße

    Wolfgang

    1. Hallo Wolfgang, schön zusammengefaßt. Ich befürchte nur irgendwie wird es uns „Fotoamateuren“ so ergehen, wie den Briefmarkensammlern, unser Hobby ist nicht mehr in der Breite der Gesellschaft vorhanden, wir sind arg spezialisiert. Und ehrlich gesagt kann ich das verstehen, denn was mein iPhone heute an Bildern ooc raushaut ist erschreckend gut. Dazu noch ein 18mm Weitwinkel eingebaut neben dem 28ziger und dem 50ziger, Langzeitbelichtungen aus der Hand und und und… Diese Möglichkeiten durch Software sind der Totengräber der Systemkameras, WENN die Kamerahersteller es nicht schaffen, einiges davon zu übernehmen. Da hatte ich große Hoffnungen auf Oly gesetzt! Aber Olympus ist mMn nur der Anfang, da folgen noch ganz andere Kaliber, deshalb halte ich einen Systemwechsel zum jetzigen Zeitpunkt für die schlechteste Idee überhaupt, man kommt vom Regen in die Traufe. Es wird spannend bleiben!

  4. Schade, aber hat sich abgezeichnet. Könnte auch gleichzeitig das Ende des Systems bedeuten. Bin ehrlich. Vor einem Jahr habe ich mir zu meinen EM5er eine Z6 gekauft. Vollformat in dieser Grösse. Hammer. Da seh ich für mfT leider Schwarz.

    1. Hallo Sascha, ich will nicht hoffen, dass mFT dann wirklich am Ende ist, es wäre schade um die hervorragenden Objektive und die guten Kameras. Die Z6 ist klasse, toller Sucher und bestimmt eine super Bildqualität. Aber im Moment wüsste ich nicht zu welchem Hersteller es mich ziehen würde. Zum einen hat kaum einer, dass was mir die G9 und mFt bietet, zum anderen weiß ich nicht, wer morgen noch am Markt ist. Ich befürchte auf lange Sicht bleiben auch im VF-System maximal 2 Hersteller, der Markt schrumpft und schrumpft. Aber die Z6 ist super, hoffentlich bringt Nikon ein 24-120 oder 24-105, oder noch besser wie Panasonic ein 20-60 ;-), das fände ich super.

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