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Speicherkarten, die Filme der Digitalfotografie

Vor rund 20 Jahren war weder ein Smartphone bekannt, noch waren Digitalkameras weit verbreitet. Die ersten Kompaktkameras hatten zwischen 2 und 5 Megapixeln und kosteten richtig viel Geld. Fotografiert wurde zum allergrößten Teil noch analog und der meistgenutzten Film war ein 100ASA oder 200 ASA Colornegativfilm mit 36 Aufnahmen. Von den damals wohlklingenden Namen, AGFA, KODAK, ORWO oder Fuji, hat es nur Fuji so richtig in die digitale Welt geschafft. Der Rest ist mehr oder weniger verschwunden. Nicht verschwunden sind hingegen die unzähligen Negative und Fotos aus der Zeit, die sind recht langzeitstabil.

Heute, in der postanalogen Welt der Digitalfotografie hat die Speicherkarte, meistens im SD-Format, den Film zu 99% verdrängt. Mit Speicherkapazitäten von bis zu 256GB und mehr pro SD-Karte, erscheinen die analogen Filme mit 36 Aufnahmen wie aus einem anderen Jahrtausend. SD-Karten ermöglichen in höchster Qualität tausende solcher Aufnahmen und sind dabei kaum größer als eine Briefmarke. Diese kleinen Speicher sind ein technisches Wunderwerk, finden allerdings selten die Beachtung von Fotografen, die sie verdienen. Denn ohne eine funktionierende Speicherkarte sind die teuersten Kameras und Objektive zu nichts nutze. Die kleinen Karten sind demnach wichtige Bausteine in der Aufnahmekette.

Die klassische Nutzung der SD-karten ist recht simpel. Die darauf gespeicherten Fotos und Videos werden auf einen PC kopiert, dort gesichert und bearbeitet und dann von der Karte gelöscht, die dann wiederum für einen neuen Einsatz die volle Speicherkapazität bereit stellt. Für Profis die mehrere zehntausend Bilder im Jahr machen oder zig Videos produzieren ist dieser Workflow wahrscheinlich der einzig sinnvolle. Für Amateure gibt es, je nach fotografischem Genre, durchaus eine Alternative.

Spielt man dem Gedanken einmal durch, gewisse Vorteile der analogen Welt mit den Vorteilen der digitalen Welt zu verbinden, könnte einem durchaus die Idee kommen eine SD-Karte wie einen entwickelten Film zu behandeln. Die Dateien auf derKarte würden quasi die unentwickelten Negative darstellen und wären physisch auf mehrere Datenträger verteilt. Gut, je nach Größe derKarte würden diese mal mehr, mal weniger Dateien beinhalten, aber es wäre ein zusätzlicher Speicherort. Natürlich eignete sich die Methode nicht für jeden, aber ich habe Sie für meinen Teil umgesetzt.

Ausgegangen bin ich von der Überlegung, dass ich in einem durchschnittlichen Jahr zwischen 3.000 und 10.000 Fotos mache. Wobei die 10.000er Grenze ehr selten von mir erreicht wird. Weiterhin nutze ich einen Bildviewer, mit dem ich die Fotos auf der SD Karte vor dem Import sichte und fehlerhafte und nicht gelungene Aufnahmen direkt auf der Karte lösche. All dies führt für mich, je nach Speicherkapazität der Karten, zu einem „Verbrauch“ von 5 bis 15 SD-Karten, je nach Speicherkapazität der SD´s. Eine für mich noch überschaubare Menge.

Da ich der Meinung bin, dass Speicherplatz recht günstig zu bekommen ist, habe ich schon immer JPEG in Höchster Auflösung und RAW parallel aufgenommen. Mir reichen die normalen UHS-1 SD-Karten vollkommen aus, ich bin nicht auf eine sehr schnelle Speicherung angewiesen. Videos in 4K Qualität schaffen die Karten dieser Klasse trotzdem problemlos aufzuzeichnen. Die Preise für eine 64 GB SD-Karte, UHS-1, Class 10, liegen, bei einer Markenkarte von SanDisk, Transcend oder Samsung zwischen 9€ und 12€, eine 128 GB Karte gibt es zwischen 16€ und 20€ zu kaufen.

Durch den Verzicht darauf die Bilder auf den Karten zu löschen entstehen mir im Jahr, grob überschlagen, Mehrkosten von rund 100€. Ich gewinne dadurch einen weiteren physischen Speicherort, eine gewisse Übersichtlichkeit und das gute Gefühl jederzeit die Bilder vom ursprünglichen Medium neu einlesen zu können. Die Ausfall-wahrscheinlichkeit ist durch die Aufteilung auf viele verschiedene Datenträger ebenfalls geringer und, um es auf die Spitze zu treiben, eine örtliche externe Lagerung ist ebenso problemlos möglich.

Natürlich sicherere ich auch auf Festplatten und SSD´s in mehrfacher Weise, aber meine SD-Karten Sammlung gibt mir doch noch ein besseres Gefühl. Heutige Schadsoftware ist durchaus in der Lage sich monatelang zu verstecken und erst dann zuzuschlagen, Stichwort „Verschlüsselung-Trojaner“. Wurden in der Zwischenzeit meine Sicherungsfestplatten angeschlossen könnten diese auch befallen sein. Bei den SD-Karten ist die Chance höher, dass diese nicht betroffen sind, da diese in der Regel nur zum abschließenden Import Kontakt mit dem PC hatten.

Wie lange SD-Karten die Darauf gespeicherten Dateien einwandfrei lesbar zur Verfügung stellen ist ungewiß. Allgemein habe ich etwas von 10 bis 30 Jahren gelesen, das reicht mir persönlich aus. Wirklich wichtige und bedeutende Bilder, werden bei mir ausgedruckt und kommen in ein Album oder in mein Portofolio. Das ist für mich persönlich immer noch der Königsweg der Datensicherung für meine Fotos.

Abschließend möchte ich Euch noch mitteilen worauf ich bei meiner Auswahl und Nutzung der SD-Karten wert lege:

  1. Ich kaufe grundsätzlich bei einem vertrauenswürdigen Händler
  2. Die SD-Karten sind keine No-Name Produkte, sondern Markenware
  3. Nach dem ersten einlegen in die Kamera, werden sie auch durch die Kamera formatiert.
  4. Eine neue SD-Karte wird zuerst in den 2. Slot der Kamera (bei mir der Backup-Slot) eingelegt. Steht dann die Karte im 1. Slot zum Wechsel an, d.h. die Karte ist voll, geht die zweite Karte in den erste Slot. Allerdings nur dann, wenn sich im laufenden Betrieb als Backup keine Probleme gezeigt haben.
  5. Eine Karte die Speicherprobleme zeigt wandert bei mir in den Elektromüll.
  6. SD-Karten sind währen des Transports im Rucksack oder in der Fototasche immer geschützt, meistens durch die kleinen, transparenten Plastikboxen.

Vor 25 Jahren habe ich für 720 Dias oder Negative rund 20 Filme mit 36Aufnahmen benötigt. Schon damals lag der Preis für einen guten Diafilm bei rund 7 bis 10 DM, selbst ein Schwarz/Weiss Film kostet rund 5 DM. Inflationsbereinigt sind die Speicherkarten heutzutage kaum teurer. Was spricht also dagegen sie wie einen Film zu behandeln?